„Besser kein ,Boom, Pow, Wow’“ in Kürze

„Besser kein ,Boom, Pow, Wow’: Zur Beschaffenheit und Rezeption journalistischer Webcomics“ – so lautet der zugegeben etwas sperrige Titel meiner Bachelorarbeit von 2014. Weshalb ich mich in diese Nische gewagt habe und was ich dort gefunden habe, lesen Sie in dieser Zusammenfassung.

Wenn Sie einen Schaukelstuhl, bequeme Pantoffeln und/oder einfach (wissenschaftliches) Interesse an journalistischen (Web-)Comics haben, freue ich mich aber auch, wenn Sie die ganze Arbeit lesen. Die finden Sie hier.

Nicht genug Zeit? Dann lesen Sie meine Motivation (Seite 4f), Zwischenfazit (S. 21f), Hypothesenbildung (S. 35f) und Fazit (S. 50-52). Das sollte nicht länger dauern als ein halber „Asterix“-Band.

 

Wie muss ein Webcomic beschaffen sein, um als journalistisches Produkt wahrgenommen zu werden? Diese Forschungsfrage hat mir als roter Faden gedient, der multimediale Webcomic „50 Years On, Still Hungry“ als Beispiel.

Um Antworten auf die Frage zu finden, habe ich eine zweistufige Untersuchung durchgeführt. Zur Vorbereitung ging es zunächst im obligatorischen Schweinsgalopp durch die Comic-Geschichte und den Begriffe-Dschungel: Was ist ein Comic? Was ein Webcomic? Was ist Comicjournalismus? Was sind journalistische Funktionen? Anschließend habe ich versucht, journalistische Funktionen in „50 Years On, Still Hungry“ nachzuweisen – was erstaunlich ergiebig war.

Zwischenschritt: Aus der Analyse und der einigermaßen überschaubaren Fach-Literatur über (Web-)Comics(-Journalismus) habe ich sechs Hypothesen entwickelt. Daraus sind ein Fragebogen und ein Leitfaden für eine Gruppendiskussion entstanden. Diese Diskussion mit neun Studenten war die zweite Forschungsstufe.

 

Und was kam dabei herum? Das steht, in Stichpunkten, hier:

  • Objektivität. Muss ein journalistischer Webcomic objektiv sein oder nicht? Grundfrage. Die Meinungen gehen da auseinander. Manche Leser fordern eine ausgewogene Berichterstattung, andere bewerten positiv, wenn der Autor sich eine eigene Meinung bildet und diese auch so deutlich macht. Über welche grundsätzlichen Positionen (Comic)Journalisten streiten, stelle ich unabhängig von der Bachelorarbeit hier zusammen.
  • Multimedia als Quelle. Dieses Untersuchungsergebnis war für mich die größte Überraschung. Ich hatte nicht erwartet, dass die Leser die Multimedia-Elemente als Quellenangabe werten. Kurz gesagt: Videos, Bilder, O-Töne und/oder andere Daten dienen als Beweis dafür, dass das, was die Zeichnungen zeigen, echt ist. Die Leser merken ebenfalls an, dass der Autor/Zeichner die Multimedia-Elemente mit Sinn und Verstand anfertigen und einsetzen sollte. Wie, das lesen Sie ausführlich in Kapitel 6.5 meiner Arbeit.
  • Multimedia-Elemente machen auch neugierig und können so die Chance erhöhen, dass jemand sich einen journalistischen Webcomic durchliest und durchklickt.
  • Wichtig ist, dass die Symbole, die auf die Multimedia-Elemente hinweisen, deutlich erkennbar sind. Sonst besteht zum Beispiel die Gefahr, dass der User sie mit Werbung verwechselt.
  • Erklären. Wer den ersten Kontakt mit einem journalistischen Webcomic hat, dem muss man erklären, was ein Webcomic ist und dass er ein ernstes Ziel verfolgt.
  • Auch vermeintlich klare Begriffe müssen erklärt werden, weil ja theoretisch jeder aus jedem Winkel der Welt auf den Webcomic zugreifen kann. In einem politischen Comic über Deutschland zum Beispiel könnte es helfen, die Abkürzungen SPD oder CDU einmal zu erläutern.
  • Rolle des Autors/Zeichners und Glaubwürdigkeit. Der Autor/Zeichner eines journalistischen Webcomic kann seine Glaubwürdigkeit erhöhen, indem er sich selbst ins Comic-Bild zeichnet, das Panel genannt wird.
  • Der Autor/Zeichner sollte die Frage beantworten, ob er eher als Journalist oder als Künstler die Geschichte gestaltet.
  • Der Autor/Zeichner sollte ein gewisses Maß an zeichnerischem Talent mitbringen.
  • Der Zeichenstil sollte dem Thema des Webcomic angemessen sein.
  • Ein Foto des Autors, zum Beispiel am Ende des Webcomic, kann den Comic insgesamt glaubwürdiger machen.
  • Sollte der Autor/Zeichner sowohl Panels als auch echte Fotos verwenden, sollte er das begründen, um den Leser nicht zu verwirren.
  • Unterhaltung. Wenn der Webcomic hier und da unterhält, stört dies das journalistische Gesamtbild nicht. Auf Lautmalereien (das titelgebende „Boom, Pow, Wow“) sollte der Autor/Zeichner besser verzichten, ebenso auf Gedankenblasen.
  • Comicjournalismus offline. Was die gedruckte Zeitung angeht, können sich die Leser einen journalistischen Comic im Wirtschafts-, Auslands- oder Reiseteil vorstellen, im Lokalteil eher nicht. Da würden sich die örtlichen Größen mutmaßlich eher auf den Schlips getreten fühlen.

 

Jetzt werden Sie als Journalist vielleicht erregt einwenden: „Moment! Wie viele Studenten waren denn das? Ist das denn überhaupt repräsentativ? Das ist ja nur ein Comic! Und auch noch in Englisch! Das hat doch mit wissenschaftlichem Arbeiten nichts zu tun! Und kaum Ergebnisse für die gedruckte Zeitung! Damit kann ich nun wirklich nichts anfangen!“

Es waren neun Studenten. Nein, das ist nicht repräsentativ. Ja, es handelt sich nur um einen Comic. Ja, er ist in Englisch. Trotzdem: Jeder einzelne Schritt ist wissenschaftlich nachvollziehbar. Und mit dieser offenbar ersten Forschungsarbeit über journalistische Webcomics habe ich nur eine erste Kerze angezündet. Vorschläge, wie meine Ergebnisse bestätigt oder widerlegt werden können, mache ich am Ende der Arbeit. Das gilt auch für Impulse, wie und wo die Ergebnisse in Zeitungs-Redaktionen genutzt werden können.

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